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Deutsches Kunstmuseum setzt sich mit Vermächtnis des Kolonialismus auseinander

Eine neue Ausstellung ist die erste Selbstprüfung eines deutschen Kunstmuseums zur kolonialen Vergangenheit des Landes in Afrika, berichtet Sarah Hucal für die Deutsche Welle.

Deutschland war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, in dem die imperialen Mächte Europas den Kontinent nach Ressourcen und Macht schnitten, kein bedeutender Akteur auf dem Weg nach Afrika. Das Imperium kam spät zum Spiel und hatte nicht die beträchtliche Flotte von Ländern wie Portugal, Großbritannien oder den Niederlanden. Trotzdem etablierte sie noch koloniales deutsches Südwestafrika und deutsches Ostafrika. Bis 1914 besetzte es mehr als eine Million Quadratmeilen Territorium.

Ein Großteil der aus diesen Gebieten gewonnenen Ressourcen floss über die nördliche Hafenstadt Bremen nach Deutschland. Dieser Handel machte die Stadt reich und trug zu kulturellen Institutionen wie der verehrten Kunsthalle Bremen bei. In einer Reflexion über dieses koloniale Erbe zeigt das Museum nun Objekte, mit denen die koloniale Vergangenheit Deutschlands und der bis heute andauernde Rassismus ins Bewusstsein gerückt werden sollen.

"Die Erforschung der deutschen Kolonialvergangenheit war umfangreich", sagt die Kuratorin Julia Binter, Anthropologin an der Universität Oxford, gegenüber Hucal. "Jetzt ist es Zeit, eine Diskussion in der Gesellschaft zu beginnen und zu fragen, was wir daraus lernen können."

Das von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Forschungs- und Ausstellungsprojekt mit dem Titel "The Blind Spot" zeigt Werke aus der eigenen Sammlung der Kolonialzeit, darunter Stücke aus dem kolonialen Afrika, die europäische Figuren wie Queen Victoria stilisieren, sowie Werke von Hucal berichtet, dass die Europäer diese Form einfangen wollten, um die "exotischen" Ausländer und Orte Afrikas zu zeigen.

Die Ausstellung blickt nicht nur zurück; Ziel ist es auch, den Rassismus aufzugreifen, der Einfluss darauf hat, wie die Menschen heute Globalisierung, Flüchtlinge und Migration sehen.

Um die Gegenwart in die Ausstellung einzubeziehen, arbeitete "The Blind Spot" mit der nigerianisch-deutschen Künstlerin Ngozi Schommers zusammen, die 50 Porträts von deutsch-afrikanischen und westafrikanischen Frauen im Stil der Kolonialporträts europäischer Künstlerinnen schuf, um sie von den Werken abzugrenzen Vor einem Jahrhundert von europäischen Künstlern gemacht, berichtet Wyona Schütte vom Weser Report. Eine Skulptur der indischen Künstlerin Amrita Sher-Gil einer Frau aus Tahiti fordert auch die primitive und oft erotische Ausstrahlung heraus, die viele europäische Künstler während der Kolonialzeit in ihren Werken ausländischen Menschen auferlegten.

Binter hofft gegenüber Hucal, dass diese Ausstellung ähnliche Überlegungen in anderen europäischen Kulturinstitutionen hervorruft, die sich noch nicht mit dem in ihren Sammlungen verankerten Erbe der Kolonialzeit befasst haben.

"The Blind Spot" ist bis zum 19. November in der Kunsthalle Bremen zu sehen.

Deutsches Kunstmuseum setzt sich mit Vermächtnis des Kolonialismus auseinander